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Klimaschutz: Freiwilliges Engagement ersetzt nicht politische Weichen

Mecklenburg-Vorpommern  06.11.2019

Pressekontakt
Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt
Paulshöher Weg 1, 19061 Schwerin
Eva Klaußner-Ziebarth, Pressesprecherin
Telefon: 0385-588 6003
e.klaussner-ziebarth@lm.mv-regierung.de

Schwerin, 6. November 2019. „Auch, wenn jeder seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten muss – Klimaschutz ist mehr als eine Privatsache. Vor allem braucht es dringend ernstgemeinte politische Weichenstellungen – in Deutschland, in Europa und auch international. Es darf dabei nicht nur um Restriktionen gehen, es kommt auch darauf an, klimafreundliche Investitionen und Innovationen voranzutreiben. Keine Frage: Freiwillige Selbstverpflichtungen, eingegangen von der Wirtschaft oder Initiativen wie Fridays for Future, sind wichtig und hilfreich, auch um die Debatte über den Klimaschutz anzustoßen. Aber dauerhaft können sie eine gesamtgesellschaftliche Strategie nicht ersetzen“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus heute beim Wippengespräch der Ostseezeitung und der Rostocker Universität im Konrad-Zuse-Haus in Rostock.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern seien die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren: „Stürme, Sturmfluten, Überschwemmungen, Dürreperioden oder Waldbrände sind nicht mehr nur ein Problem bzw. Phänomen ferner Länder. Derartige Wetterextreme rücken immer näher an uns heran und stellen auch uns in Mecklenburg-Vorpommern vor wachsende Herausforderungen. Das kann niemanden kalt lassen“, sagte Backhaus.

Vor allem die Landwirtschaft sei betroffen: „Durch den Anstieg der Temperatur verschiebt sich beispielsweise das Anbauspektrum im Pflanzenbau. Schon heute setzt der Vegetationsbeginn vieler Pflanzen verfrüht ein. So blühen zum Beispiel Apfelbäume und Raps nach Erhebungen des Deutschen Wetterdienstes heute 20 Tage früher als noch vor 50 Jahren“, erklärte der Minister. Dies habe Vor- und Nachteile. Einerseits könnte in manchen Kulturen mehrfach geerntet und höhere Erträge erzielt werden. Anderseits begünstigten die milderen Winter die Ausbreitung pflanzenschädigender Pilze, Viren und Insekten.

Backhaus betonte, dass die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel ein kontinuierlicher Prozess sei, der nicht zuletzt auf einzelbetrieblichen Entscheidungen basiert. „Uns geht es darum, die Landwirte noch stärker für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen bewusst zu machen, dass sie ein wichtiger Teil der Lösung sind.“ Viele Landwirte stellen sich bereits heute dieser Verantwortung für den Natur- und Klimaschutz. Das Land unterstützt sie dabei mit Förderungen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die ländliche Entwicklung, u.a. für die Umsetzung von Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen, Diversifizierungsprogramme oder auch Investitionen in moderne Technik. Schon heute wird jeder vierte Hektar (insgesamt ca. 400.000 Hektar) Landwirtschaftsfläche nach erhöhten Umweltstandards bewirtschaftet.

Für den Umgang und die Umkehrung des Klimawandels setzt Mecklenburg-Vorpommern darüber hinaus auf Forschung und Digitalisierung. „Mit internationaler Spitzenforschung für die ressourcenschonende Nutztierbiologie an den Forschungseinrichtungen in MV und Digitalisierung in der Agrartechnik wie precision farming für angepassten Mitteleinsatz und geringere Belastungen, streben wir eine ressourcenschonende Landwirtschaft an“, so Backhaus. Dazu gehöre auch der Bodenschutz. So sei MV das erste Bundesland mit einem Erosionskataster aus welchem Auflagen zur Bewirtschaftung abgeleitet werden können. Außerdem gebe es hierzulande ein Bodenschutzprogramm in welchem alle Maßnahmen zum Bodenschutz gebündelt sind.

Auch setzt sich Minister Backhaus dafür ein, dass die Paludikultur Teil der Agrarförderkulisse und die Forschung in diesem Bereich weiter intensiviert wird. Durch eine umweltverträgliche „nasse“ Nutzung der Moore könnten allein in MV bis zu 6 Mio Tonnen CO2 eingespart werden. Zudem hat das Land ein anerkanntes Konzept zum Waldumbau und zum Insektenschutz erarbeitet.

Der Klimawandel stellt das Land aber auch in vielen anderen Bereichen vor enorme Herausforderungen. „Ich denke dabei zum Beispiel an den Küsten- und Hochwasserschutz“, sagte der Minister. Seit 1991 seien rund 500 Millionen Euro in den Schutz der Außen-, Bodden- und Haffküsten geflossen. Derzeit wende das Land jährlich rund 20 Millionen Euro für Küstenschutzmaßnahmen auf. „Das wird zukünftig nicht mehr reichen“, betonte er. Allein 100 Mio. Euro kalkuliert das neue Hochwasserschutzkonzept Mecklenburg-Vorpommerns für die notwendige Anpassung des Hochwasserschutzsystems an der Elbe. Das sei etwa genauso viel wie Mecklenburg-Vorpommern in den letzten 30 Jahren für den Hochwasserschutz an der Elbe bereits investiert hat.

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