Sachsen-Anhalt (ST)

Vom Chemie-Standort zur Umwelttechnologie: Der Strukturwandel nach der Wiedervereinigung hat in Sachsen-Anhalt zu einer deutlichen Verschiebung geführt. Die Chemie-Industrie um die Städte Leuna und Bitterfeld weicht zunehmend neuen Wirtschaftssektoren. Insbesondere die Windindustrie ist ein wichtiger Beschäftigungsbringer: Im Bundesland werden nicht nur zahlreiche Windenergieanlagen gefertigt. Bei der installierten Leistung und der Dichte der Windenergie-Anlagen liegt Sachsen-Anhalt bundesweit unter den führenden Bundesländern, was sich auch ökonomisch auszahlt. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Energieverbrauch (Primärenergie) liegt bei 19,3 Prozent (2014).

Landesinfo

Die Bundesländer haben zahlreiche Möglichkeiten, die Entwicklung der Erneuerbaren Energien voranzubringen. Sie reichen von ambitionierten Zielvorgaben über Förderprogramme bis hin zu Informationsangeboten, z.B. über eine Landesenergieagentur.

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Bauordnung (Gesetzestext)

Daten
ST

Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA)

Fassung vom 10.09.2013, letzte Änderung am 28.09.2016

Zusammenfassung

Nach § 1 Abs. 1 gilt dieses Gesetz für bauliche Anlagen und Bauprodukte. Es gilt auch für Grundstücke sowie für andere Anlagen und Einrichtungen, an die in diesem Gesetz oder aufgrund dieses Gesetzes erlassener Vorschriften Anforderungen gestellt werden.

EE-spezifische Regelungen

Gemäß §6 Abs. 7 bleiben bei der Bemessung der Abstandsflächen Maßnahmen zum Zwecke der Energieeinsparung und Solaranlagen an bestehenden Gebäuden unabhängig davon, ob diese den Anforderungen der Absätze 2 bis 6 entsprechen, außer Betracht, wenn sie eine Stärke von nicht mehr als 0,25m aufweisen und mindestens 2,75m von der Nachbargrenze zurückbleiben.

Gemäß § 6 Abs. 8 bemisst sich bei Windkraftanlagen die Tiefe der Abstandsfläche nach der größten Höhe der Anlage. Die größte Höhe errechnet sich bei Anlagen mit Horizontalachse aus der Höhe der Rotorachse über der Geländeoberfläche in der geometrischen Mitte des Mastes zuzüglich des Rotorradius. Die Abstandsfläche ist ein Kreis um den geometrischen Mittelpunkt des Mastes. Abweichend von Satz 1 beträgt beim Repowering im Sinne des § 2a Nr. 16 Buchst. b des Landesplanungsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt ab dem 1. September 2013 die Tiefe der Abstandsflächen 0,4 H, mindestens 3 m. Die Abstandskriterien gemäß Absatz 2 Satz 2 und Absätze 4 bis 6 gelten nicht für Windkraftanlagen.

Nach § 6 Abs. 9 Nr. 2 sind in den Abstandsflächen eines Gebäudes sowie ohne eigene Abstandsflächen, auch wenn sie nicht an die Grundstücksgrenze oder an das Gebäude angebaut werden, gebäudeunabhängige Solaranlagen mit einer Höhe bis zu 3 m und einer Gesamtlänge je Grundstücksgrenze von 9 m, zulässig. Die Länge der die Abstandsflächentiefe gegenüber den Grundstücksgrenzen nicht einhaltenden Bebauung nach Satz 1 Nr. 1 und 2 darf auf einem Grundstück insgesamt 15 m nicht überschreiten.

Gebäude müssen gemäß § 15 Abs. 1 einen ihrer Nutzung und den klimatischen Verhältnissen entsprechenden Wärmeschutz haben.

Nach §27 Abs. 3 müssen mehr als zwei Geschosse überbrückende technische Anlagenteile an Außenwänden schwerentflammbar sein. Dies gilt auch für Oberflächen von Außenwänden und Außenwandbekleidungen inkl. Dämmstoffe.

Technische Anlagenteile sind gemäß § 31 Abs. 5 so anzuordnen und herzustellen, dass Feuer nicht auf andere Gebäudeteile und Nachbargrundstücke übertragen werden kann. Von Brandwänden und mit Brandwänden vergleichbare Wände müssen technische Anlagenteile mindestens 1,25 Meter entfernt sein, wenn sie durch diese Wände nicht gegen Brandübertragung geschützt sind.

§ 41 Abs. 5 formuliert Vorgaben für die Betriebs- und Brandsicherheit von Blockheizkraftwerken und Brennstoffzellen.

Gemäß § 47 Abs. 2 sind in Wohngebäuden der Gebäudeklassen 3 bis 5 leicht erreichbare und gut zugängliche Abstellräume für Fahrräder herzustellen.

Nach § 48 Abs. 1 sind bei der Errichtung von baulichen Anlagen, bei denen ein Zugangs- und Abgangsverkehr mit Fahrrädern zu erwarten ist, Abstellplätze für Fahrräder auf dem Baugrundstück oder in zumutbarer Entfernung davon auf einem geeigneten Grundstück, dessen Nutzung für diesen Zweck öffentlich-rechtlich gesichert ist, herzustellen, soweit dies durch eine örtliche Bauvorschrift nach § 85 Abs. 1 Satz 4 bestimmt ist. Ist die Herstellung von notwendigen Stellplätzen (für Kraftfahrzeuge) nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten möglich, so kann die Gemeinde gemäß §48 Abs. 2 einen Geldbetrag zur Ablösung verlangen. Dieser Geldbetrag ist nach Absatz 3 von der Gemeinde u.a. für Maßnahmen zur Entlastung der Straßen vom ruhenden Verkehr einschließlich investive Maßnahmen des ÖPNV zu verwenden.

Gemäß § 60 Abs. 1 Nr. 3 sind folgende Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien verfahrensfrei:
a) Solaranlagen in, an und auf Dach- und Außenwandflächen ausgenommen bei Hochhäusern sowie die damit verbundene Änderung der Nutzung oder der äußeren Gestalt des Gebäudes,
b) Windkraftanlagen bis zu einer Gesamthöhe von 10 m und einem Rotordurchmesser bis zu 3 m in Gewerbe- und Industriegebieten, wobei sich die Gesamthöhe nach § 6 Abs. 8 Satz 3 bestimmt. Weiterhin ist laut Nr. 15 die Errichtung, Änderung oder Aufstellung für Fahrradabstellanlagen verfahrensfrei. Ebenso gemäß Nr. 11 Maßnahmen der Wärmedämmung, ausgenommen bei Hochhäusern.

Nach § 71 Abs. 3 2. hat die Bauaufsichtsbehörde bei Windkraftanlagen und Freiflächenphotovoltaikanlagen, die ausschließlich einem Zweck dienen und bei denen üblicherweise anzunehmen ist, dass wirtschaftliche Interessen an einer Folgenutzung der zu genehmigenden Anlage nicht bestehen, die Erteilung der Baugenehmigung von der Leistung eines geeigneten Sicherungsmittels abhängig zu machen, durch das die Finanzierung der Kosten des Rückbaus der Anlagen bei dauerhafter Aufgabe der Nutzung gesichert wird. 

Gemäß § 85 Abs. 1 können Gemeinden örtliche Bauvorschriften über die Zahl, Größe und Beschaffenheit der notwendigen Abstellplätze für Fahrräder nach § 48 Abs. 1, die unter Berücksichtigung der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs, der Bedürfnisse des ruhenden Verkehrs und der Erschließung durch Einrichtungen des öffentlichen Personennahverkehrs für bauliche Anlagen erforderlich sind, einschließlich des Mehrbedarfs bei Änderungen oder Nutzungsänderungen der baulichen Anlagen, erlassen.

Links zur Quelle
https://mlv.sachsen-anhalt.de/service/rechtsgrundlagen/oeffentliches-baurecht/


Anmerkungen:

Recherchestand: April 2019