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Strom aus Erneuerbaren Energien

Quelle des Titelbildes: David Iliff, Wikimedia. Lizenz CC-BY-SA 3.0.

Weitere Informationen und Hintergründe rund um Strom aus Erneuerbaren Energien finden Sie hier: www.unendlich-viel-energie.de/themen/strom

Der Strommix in Deutschland im Jahr 2017

Der deutsche Strommix im Jahr 2017 und die Beiträge der einzelnen erneuerbaren Energieträger.

Die Möglichkeiten und Herausforderungen eines Stromversorgungssystems allein auf Basis Erneuerbarer Energien erforscht das Projekt Kombikraftwerk. Informationen dazu finden Sie hier: www.kombikraftwerk.de

Viele Anstrengungen des Bundes und der Länder bei der Energiewende konzentrieren sich bislang auf den Ausbau Erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung. Der Stromsektor ist im Vergleich mit dem Wärme- und Verkehrsbereich zwar nicht der größte Energieverbraucher, ist aber heute schon für das Funktionieren unserer Gesellschaft elementar und kann auch in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen, da auch die Fortbewegung (Elektromobilität) und die Wärmeerzeugung (Power-to-heat, Wärmepumpen) zunehmend strombasiert organisiert werden. Daher sind alle Landesregierungen bemüht, den Erneuerbaren-Anteil an Stromerzeugung und -verbrauch zu erhöhen - wenn auch mit unterschiedlichem Engagement und Erfolgen.

Bundesländerkarte des Anteils Erneuerbarer Energien an der BruttostromerzeugungAm größten war der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung im Jahr 2016 in Mecklenburg-Vorpommern (66,8 Prozent). Als erstes deutsches Bundesland stammte hier mehr als die Hälfte des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Auch Thüringen (56,9), Schleswig-Holstein (54,8) und Sachsen-Anhalt (50,8) haben die 50-Prozent-Marke bereits überschritten. Beim Bruttostromverbrauch konnte Schleswig-Holstein bereits 2013 die 75 Prozent des eigenen Verbrauchs durch erneuerbare Quellen decken, und auch Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben 2014 die 50%-Marke überschritten. Mecklenburg-Vorpommern, das anteilig den meisten Ökostrom erzeugt, konnte diese Marke bereits 2008 mit einem Anteil von 52,3 Prozent erreichen. 2014 deckte das Land im Nordosten sogar mehr als seinen seinen kompletten Strombedarf aus erneuerbaren Quellen.

Wenn man sich nicht die Anteile, sondern die insgesamt produzierte Menge an Ökostrom anschaut, ist - wie auch häufig im Fussball - Bayern Deutscher Meister. Im Südosten wurden 2016 mehr als 35 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom aus Sonne, Wind, Biomasse, Wasser und Geothermie gewonnen - mehr als der gesamte Stromverbrauch Irlands. Auf dem zweiten Platz folgt Niedersachsen mit rund 31 Millionen kWh und auf dem dritten Platz Schleswig-Holstein mit 19 Millionen kWh. Wenn man die Werte relativ zur Einwohnerzahl betrachtet, wird diese Reihenfolge ziemlich durcheinander gewürfelt und ist klar in nordostdeutscher Hand. Pro Landesbürger wurde 2016 in Schleswig-Holstein mit 6.661 kWh der meiste Ökostrom erzeugt, gefolgt von Brandenburg (6.284 kWh) und Mecklenburg-Vorpommern (6.065 kWh).

/tl_files/aee/Auf einen Blick/Aktualisierung_jan18/Karte_Uebersicht_EEG_Strommenge_2016.pngEin etwas anderes Bild ergibt sich auch, wenn man statt der gesamten erneuerbaren Stromerzeugung nur die über das EEG geförderten Strommengen betrachtet. Dabei fallen vor allem die großen Wasserkraftwerke in Süddeutschland heraus, und es zeigt sich stärker, welche Bundesländer in den letzten Jahren Kapazitäten zur Ökostromerzeugung aufgebaut haben. Bayern fällt daher etwas zurück, bleibt aber auf einem starken zweiten Rang. Der Spitzenreiter bei der EEG-Stromerzeugung ist mit 25,7 Mrd. kWh im Jahr 2016 Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen ist dritter. Bemerkenswert ist dabei auch, dass mit Schleswig-Holstein das zweitkleinste Flächenland Platz fünf im Ländervergleich belegt.

Den größten Beitrag zur gesamten Stromerzeugung erbrachte die Windenergie. Den größten Anteil dazu liefert Niedersachsen, gefolgt von Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Aber auch in südlicheren Ländern wie insbesondere Rheinland-Pfalz wird mehr und mehr Windstrom erzeugt. Und auch in Ländern wie Baden-Württemberg, in dem der Windenergieausbau noch nicht richtig in Schwung gekommen ist, gibt es ehrgeizige Windenergieziele. Zukünftig wird daher ein dezentraler Ausbau der Windenergie im ganzen Land zu beobachten sein, die bishrige Konzentration auf einige Länder könnte sich dadurch abschwächen. Die Windenergie wird auch künftig den wichtigsten Beitrag zur Ökostromerzeugung liefern und diesen Anteil sogar noch vergrößern. Ein dezentraler Ausbau hilft dabei, regionale Windflauten auszugleichen, Netzausbau zu verringern und die Akzeptanz vor Ort zu erhöhen.

Stromerzeugung aus Bioenergie machte den zweitgrößten Anteil aus, Biogas spielte dabei die entscheidende Rolle. Da die Bioenergie relativ flächenintensiv ist, wundert es nicht, dass die beiden größten Bundesländer Deutschlands, die zudem stark landwirtschaftlich geprägt sind, auch die größten Strommengen aus Bioenergie respektive Biogas erzeugen. Niedersachsen liegt dabei sogar noch vor dem flächenmäßig größeren Bayern. Auch wenn die Flächenintensität dem weiteren Wachstum von Bioenergie-Strom gewisse Grenzen setzt, ist dieser Energieträger aufgrund seiner Speicher-und Steuerbarkeit ein wichtiges Element in einem erneuerbaren Versorgungssystem und wird daher auch weiterhin im Konzert der Erneuerbaren Energien unverzichtbar sein.

Die Photovoltaik belegte 2017 den dritten Platz innerhalb der einzelnen erneuerbaren Energieträger und wird auf Dauer neben der Windenergie zur zweiten Säule eines erneuerbaren Energiesystems heranreifen. Unter den Bundesländern liefern Bayern und Baden-Württemberg hier die deutlich größten Beiträge, aber auch in nördlicheren Gefilden wird die Photovoltaik zunehmend als interessante Energiequelle erkannt. So konnte etwa in Mecklenburg-Vorpommern die Solarstromerzeugung in den letzten Jahren stark gesteigert werden, und auch in nördlichen Stadtstaaten Bremen und Hamburg gab es seit 2012 eine Steigerung um ein Drittel der Stromeinspeisung durch Photovoltaik.

Einen wichtigen Beitrag leistet auch die Wasserkraft, die 2010 noch vor der Photovoltaik der drittwichtigste erneuerbare Stromerzeuger war und erst 2011 von dieser überholt wurde. Nichtsdestotrotz sind auch 2016 die mehr als 20 Mrd. kWh Strom aus Laufwasserkraftwerken durch ihre kontinuierliche Verfügbarkeit ein wichtiger Baustein der Energiewende. Aufgrund der geographischen Gegebenheiten kann die Wasserkraft nicht in allen Bundesländern genutzt werden, und der größte Anteil verteilt sich auf nur wenige Regionen. Vor allem Bayern und Baden-Württemberg profitieren dabei von Ihrer Lage am Rande der Alpen, hier wird die meiste Wasserkraft erzeugt. Aber auch in Rheinland-Pfalz und mit Abstrichen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niesdersachsen, Sachsen und Thüringen liefert die Wasserkraft Hunderte Millionen Kilowattstunden sauberen Strom.

Bei der Geothermie ist die Situation ganz ähnlich, auch hier verteilen sich die Potenziale und die bisherige Nutzung auf nur wenige Länder. Die wichtigsten Regionen sind dabei ähnlich zur Wasserkraft Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wobei es auch in weiteren Regionen wie etwa in Mecklenburg-Vorpommern Potanziale gibt. Insgesamt steht die Entwicklung von geothermischen Kraftwerken aber noch eher am Anfang, die erzeugten Strommengen sind vergleichsweise gering. Mittelfristig besteht hier aber großes Ausbaupotenzial, und die regelbare Geothermie könnte ein wichtiger Partner für die im Zentrum eines zukünftigen Versorgungssystems stehenden Energieträger Sonne und Wind werden.

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